18.06.2020 - PD Dr. Ronald Sträter

Schlaganfall bei Kindern

Sowohl 2015 als auch 2019 war PD Dr. Ronald Sträter, der sich seit vielen Jahren als Arzt auf den Schlaganfall bei Kindern spezialisiert hat, bei unserem SCHAKI-Familien-Kongress als Referent dabei - und auch für 2020 war er im Rahmen unseres 15-jährigen SCHAKI-Jubiläums fest eingeplant.

Das Jubiläum mussten wir ja leider wg. Corona absagen - und umso mehr freuten wir uns, dass er für SCHAKI am 18. Juni um 16.00 Uhr für einen Online-Vortrag mit anschließender Fragerunde zum Thema "Schlaganfall bei Kindern" zur Verfügung stand.

Im Vorfeld gab es über 50 Anmeldungen - bei Web-Vortrag waren letztendlich 42 Familien mit dabei.
Den Vortrag stellen wir an dieser Stelle in Kürze zur Verfügung.

Es gab viele Fragen, die Dr. Sträter beantwortete:

  • Wenn der Schlaganfall recht zentral im Stirnbereich ist (beidseitig) - mit welchen Beeiträchtigungen muss man dann eher rechnen?
  • Sind Symptome kummulativ? Sprich, treten sie nach und nach auf und werden immer mehr, oder sind bestimmte Symptome nicht mehr auftretend, wenn ein bestimmtes Zeitfenster vorbei ist?
  • Sie sagten vorhin, dass sich die Symptomatik von Motorikstörungen mit der Zeit zu Konzentrationsstörungen führen kann. Ist dies die Regel ?
  • Sind Konzentrationsstörungen zwangsläufig eine Folge des Schlaganfalls? Wir haben den Eindruck, dass unser Kind alles in der Schule versteht, sich aber schlecht und nur kurz konzentrieren kann. Kann man diesbezüglich "trainieren"?
  • Warum wird man so wenig über die emotionalen Verhaltensweisen und Symptome informiert? Es wird immer viel von der Motorik aufgeklärt von den Ärzten, aber eben leider nicht darüber das, dass Kind z. B. schnell unzufrieden und aggressiv ist, sehr empfindlich auf alles reagiert, usw.. Sind diese Folgen weniger bekannt?
  • Uns wird teilweise immer noch gesagt, dass im Laufe der Entwicklung andere Ariale des Gehirns die Funktionen des beeinträchtigten Arials übernehmen und die Beeinträchtigung besser wird. Andere sagen das ist quatsch. Was sagen Sie dazu?
  • Wir haben auch Konzentrationsstörungen. Man dachte an Absencen weil unsere Tochter sich für mehrere Sekunden regelrecht wegträumt was auch im Straßenverkehr sehr gefährlich ist. Dies wurde nun aber ausgeschlossen und nun steht ADS im Raum. Könnte das auch "nur Schlaganfallbedingt" sein?
  • Wir haben immer nur 1 mal im Jahr ein EEG , obwohl beim letzten EEG sharp slow wave Komplexe links fronto central diagnostiziert wurden. Ich finde es etwas wenig ? Sollte man dies nicht öfters kontrollieren?
  • Die EEGs in den ersten 5 Jahren im Krankenhaus waren alle unauffällig - jetzt mit 7 1/2 bzw 8 im SPZ (zunächst wach, dann schlafend), jedoch unter großer Anstrengung fürs Kind, waren Spitzen zu erkennen. Liegt das an der anderen Auswertung oder müsen wir uns Sorgen machen?
  • Wo liegt das Zentrum für die Wahrnehmung? Sie macht uns die meisten Probleme
  • Bis in welches Alter hinein können Symptome hinzukommen?
  • Gibt es ein erhöhtes Risiko, dass Schlaganfall-Kinder nochmals einen Schlaganfall erleiden?
  • Sind EEGs nur im ersten Jahr wichtig oder sollen sie auch später 1x im Jahr gemacht werden?
  • Wir haben auch Konzentrationsstörungen.Man dachte an Absencen weil unsere Tochter sich für mehrere Sekunden regelrecht wegträumt was auch im Straßenverkehr sehr gefährlich ist. Dies wurde nun aber ausgeschlossen und nun steht ADS im Raum. Könnte das auch "nur Schlaganfallbedingt" sein?
  • Unser Schlaganfall liegt im rechten Mediastromgebiet. Dieser Bereich ist mit Sicherheit sehr umfänglich in seinen Funktionen. Können Sie uns einfach mal ganz allgemein sagen, WELCHE FUNKTIONEN sich in diesem Bereich befinden? Leider haben wir dazu bisher keine klare Aussage bekommen.
  • Haben die Schlaganfall-Kinder auch ein erhöhtes Risiko für Autismus?
  • Sind psychologische Auffälligkeiten dann auch häufiger? Z.B. bei Zwangsstörungen?
  • Bei unserem Sohn war das Sprachzentrum mit betroffen. Er ist jetzt fast 3 Jahre alt und spricht sehr wenig und schlecht verständlich. Wie groß ist das Risiko das er trotz Sprachtherapie immer Sprachprobleme behalten wird?
  • Besteht das erhöhte Risiko für ADHS bzw Authismus auch, wenn der Schlaganfall Anfang des 7. Lebensjahres stattgefunden hat ?
  • Unser Sohn ist fast 8. Jahre. Er hat den Schlaganfall rechts im Gehirn. Der Arm links ist stark beeinträchtigt. Das Bein (Spitzfuß) haben wir mittlerweile gut im Griff. BEZÜGLICH DER HERZERKRANKUNG ALS URSACHE: Familiär sind wir bzgl. HERZERKRANKUNGEN SEHR VORBELASTET. Sollten wir unseren Sohn bzgl. des Herzens vorsichtshalber unersuchen lassen?
  • Ist es sinnvoll eine Gerinnungsdiagnostik bei den Eltern zu machen? Vor allem im Bezug auf eine weiter Schwangerschaft. Und kann man diese Diagnostik auch in der Schwangerschaft machen?
  • Gibt es Gendefekte, die mit einem Schlaganfall einhergehen? Außer die Thromboseneigung?
  • Es gibt den Verdacht, dass es fokale Anfälle gab (im Alter von 2-3 Jahren) die zu dem Zeitpunkt jedoch falsch interpretiert und nicht erkannt wurden. Passt auch zum MRT-Bild heißt es. Inzwischen (unsere Tochter ist jetzt 8 Jahre) treten diese nicht mehr auf. In dem Klinikbrief wurde geschrieben: pathologisches EEG, epilepsietypische Aktivität links occipital. Bedeutet das, dass jederzeit wieder aktiv Epilepsie auftreten kann?
  • Wann sollte man bei familiärer Vorbelastung mit Faktor V (heterozygot) Mutation das Kind darauf testen? Die Ursache für den vorgeburtlichen Schlaganfall ist bislang bei uns völlig unklar.
  • Bei uns ist auch die Ursache unklar. Schlaganfall um die Geburt. Es gab eine echte Nebenplazenta und ich hatte Blutdruckschwankungen. Kind sehr groß. Waren das auch solche zusätzlichen Risikofaktoren - multifaktoriell?
  • Mit welcher Methode wird eine Herzuntersuchung gemacht? Wie können die Gefäße kontrolliert werden?
  • Auf welchem Stand ist die aktuelle Forschung? Kann hier mit neuen Erkenntnissen bzgl. weiterer Ursachen gerechnet werden? Wie ist der aktuelle Stand einer allgemeinen Datenbank?
  • Kennen Sie den Gendefekt DEPDC5 in Verbindung mit dem kindlichen Schlaganfall?
  • Heparinprovilaxe der Mutter vor der Geburt schien keine Bedeutung für das Geburtstrisiko zu haben. Sehen Sie das auch so?
  • Meine Tochter Anna-Lena (10 Jahre) hatte um die Geburt eine großen Mediainfarkt rechts und einige kleine Infarkte links. Ihre Linke Hand ist stark eingeschränkt, das Bein nicht ganz so stark. Sie leidet seit dem 5. Lebensjahr zusätzlich am Panayiotopoulos-Syndrom wobei unsere Neurologen mittlerweile denken, dass es sich in eine Rolando-Epilepsie wandelt. Des Weiteren hat die einen hohen Lipoprotein (a) Wert und ihre Halsgefäße werden immer mal geschallt. Wir würden gern einen Termin bei Ihnen in Münster wahrnehmen. Welchen Weg gehe ich am besten?
  • Kann die Gabe von Wehenhemmer ein Risikofaktor für einen Schlaganfall beim ungeborenen sein?
  • Sollten die Kinder einer Genuntersuchung unterzogen werden?
  • Ist es allgemein Bekannt, dass die Augen auch öfter nach einem Schlaganfall in Mitleidenschaft gezogen werden? Unter anderem z.B. starke Lichtempfindlichkeit? Wann und wie kann man das am besten Testen lassen?
  • Warum leiden die Schlaganfall-Kinder so unter Kopfschmerzen?
  • Wird Kindern (Schlaganfall um die Geburt herum) empfohlen „normale“ Kindergärten oder Schulen zu besuchen, um größtmögliche Normalität zu bieten oder sollte man eher ein spezialisiertes Umfeld wählen?
  • Bei einem Schlaganfall um die Geburt herum: In welchem Alter macht denn eine Reha möglichst viel Sinn?
  • Eine Frage zur Dauer der Diagnose bzw. Erkennung: Der Apoplex war wohl bei oder kurz nach der Geburt, ist aber erst mit 2 Monaten durch Zufall festgestellt worden. Nach Geburt Koma mit Intubation etc...sind diese 2 Monate sehr tückisch, dass es "so spät" erkannt wurde?
  • Ist es möglich, dass die Motorik Jahre nach dem Schlaganfall sich nochmals verschlechtern kann, oder bleibt es stets gleich gut oder schlecht?
  • Meine Tochter hatte um die Geburt herum einen Schlaganfall. Dazu hatte sie einen "Vorfall" im Rückenmark, die Aussage hierzu sind unterschiedlich. Gibt es die Möglichkeit das das ein weiterer Schlaganfall im Rückenmark war? Die Symptome sind ähnlich der Spina Bifida. Sie hat eine inkomplette Querschnittslähmung, Blasenentleerungsstörung, Darmentleerungsstörung. Die Ärzte wissen oft nicht, welche Beeinträchtigung zu welcher Diagnose gehören. Wir würden auch sehr gerne einen Termin bei Ihnen wahrnehmen.
  • Ist es "normal", dass Kinder nach der Geburt mehrere Monate Phenobarbital bekommen, damit das Anfallsrisiko gesenkt wird, oder ist das eher eine Ausnahmebehandlung?
  • Gibt es bei einem Schlaganfall aufgrund einer Dissektion ( Trauma ) auch ein erhöhtes Risiko für einen erneuten Schlaganfall ?
  • Sind Schlafstörungen nach Schlaganfällen bekannt? Unsere Tochter hat diese von Anfang an. Jetzt mit 8 Jahren bekommt sie seit einem Jahr Melatonin (vorher immer wieder kurzzeitig Sedaplus).
  • Die Dissektion hat aufgrund eines Traumas stattgefunden - wieso ist dies eine Gefäßerkrankung ?
  • Gibt es Erfahrungen bzgl. Inkontinenz/ sehr spätes "trocken werden" im Zusammenhang mit einem Schlaganfall im Säuglingsalter?
  • Gibt es Erfahrungen zu Missempfindungen im Mundbereich? Stichwort Essstörungen
  • Haben Sie Buchtipps zum kindlichen Schlaganfall?

Wichtige Information!

P.S.: Dieser Vortrag mit anschließender Fragerunde war keine Ärzteberatung sondern informierte nur über Grundlagen und Hintergründe. Für persönliche Fragen besteht auch im Nachhinein die Möglichkeit, PD Dr. Ronald Sträter nach dem Vortrag per E-Mail oder telefonisch zu kontaktieren.

Kontaktdaten des Referenten

Oberarzt PD. Dr. Ronald Sträter
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin - Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
Direktorin: Univ.-Prof. Dr. Claudia Rössig
Albert-Schweitzer-Campus 1
Tel.: 0251 83-47782
e-mail: straeter(at)­uni-muenster(dot)­de

Unsere SCHAKI-Familien waren begeistert!